Ernährung unter ayurvedischen Gesichtspunkten
 
Ayurveda ist die Lehre für ganzheitliches Wohlbefinden und Gesundheit. Sie hat ihren Ursprung im asiatischen Raum, in und um Indien und Sri Lanka. Wörtlich übersetzt bedeutet Ayurveda: „Das Wissen vom langen Leben“. Die Ursprünge lassen sich bis 5000 Jahre v. Chr. zurückverfolgen. Ägyptische Könige trugen maßgeblich zur Verbreitung bei.

Bis heute hat diese Lehre ihre Gültigkeit und lässt sich für jeden Einzelnen umsetzen.

Für unserer Ernährung sind einige grundsätzliche Dinge zu berücksichtigen: die Auswahl der Zutaten, Art der Zubereitung, mentale und psychische Verfassung des Kochs und gerade in unserer heutigen hektischen Zeit die Atmosphäre, in der wir Mahlzeiten zu uns nehmen. Letzteres trägt enorm zur Bekömmlichkeit und Verwertbarkeit des Essens bei.

Die Zutaten werden nach ayurvedischer Lehre wie folgt unterschieden:

leicht bekömmliche, natürliche gewachsene, teils vegetarische und vor allem frische Zutaten. Dazu gehören Reis, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Gemüse, Joghurt, Milch, Honig, Salat und Obst. Diese fördern geistige und körperliche Gesundheit, Zufriedenheit und innere Ruhe.

Für unseren Organismus schwerer zu verarbeiten sind Zutaten wie harter Käse, Zwiebeln und Knoblauch, Eier, Geflügel, Tiefkühlprodukte, Hefe und alle in der Mikrowelle zubereiteten Nahrungsmittel. Diese können zu Blähungen, inneren Spannungen, Gereiztheit und dem Gefühl der Unausgeglichenheit führen.

Fleisch, Innereien, Konservierungsstoffe, vergorene oder gar verdorbene Speisen sowie hochprozentig alkoholische Getränke führen zu Trägheit von Körper und Geist. Sie fördern Unbeweglichkeit und Aggressivität. Bei täglichem Gebrauch verursachen sie verschiedene Krankheiten.

Somit sind wir in der Lage, über die Auswahl der Lebensmittel ganz bewusst auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden einzuwirken und Krankheiten vorzubeugen.

Weiterhin gibt es äußere Gründe warum uns unser Essen schlecht bekommt oder die Verdauung und damit Nutzbarmachung für unseren Körper nicht funktioniert. Einige davon sind Stress beim Essen (Diskussionen), Fernsehen und Lesen während des Essens, zu kalte Getränke und Speisen, Essen bevor die letzte Mahlzeit verdaut ist (i. d. R. 4 Stunden) sowie Überessen und Mahlzeiten nach 18 Uhr.

Die ayurvedische Lehre unterscheidet sechs verschiedene Geschmacksrichtungen.

Süß finden wir in Reis, Weizen, Milch, Honig, natürlich Zucker (Rohrzucker ist raffiniertem Weißzucker unbedingt vorzuziehen) und süßes Obst.

Diverse Salate, Kräuter, Gurken, Chicorée sind bittere Nahrungsmittel. Geschmacklich sauer sind u. a. Zitrusfrüchte, Joghurt und Tomaten. Bekannte scharfe Zutaten sind Meerrettich (möglichst frisch), Ingwer, Kresse, Senfsaat und alle Chilisorten. Der bekannte Rosenpaprika gehört ebenfalls dazu.

Um den salzigen Geschmack zu betonen verwendet man Idealerweise natürliches Salz.

Dazu gehört Meersalz und aus Gebirgen gewonnenes Steinsalz. Eingelegte Oliven und Kapern haben ebenfalls einen leicht salzigen Geschmack.

Besondere Bedeutung kommt den adstringierenden (=zusammenziehenden) Lebensmitteln zu. Äpfel, Walnüsse, Kohlarten, Spinat und Hülsenfrüchte gehören dazu.

Süße, saure und salzige Nahrung sollten diejenigen bevorzugt verwenden die innere Unruhe und Nervosität spüren. Bei Aggressivität, Ungeduld und Magenübersäuerung wirkt süße, bittere und zusammenziehende Kost beruhigend, während die Geschmacksrichtungen scharf, bitter und zusammenziehend bei Schwerfälligkeit, Verstopfung und Müdigkeit angezeigt sind.

In einem ayurvedischen Menü sind alle Geschmacksrichtung harmonisch miteinander kombiniert. Sie werden jedoch feststellen, dass z. B. bei einem Buffet die einzelnen oben erwähnten Charaktere intuitiv zu den für sie passenden Zubereitungen greifen.

Einheimische Kräuter und Gewürze habe folgende Eigenschaften: Basilikum stärkt das Herz, wirkt gegen Fieber und Erkältung, Fenchel beruhigt krampfartige, blähende Beschwerden im Verdauungstrakt, sowie es auch der Kümmel tut. Majoran löst Schleim, entwässert und stärkt das Nervensystem. Ebenfalls entwässernd wirkt Petersilie und sie hilft Frauen bei Menstruations-beschwerden. Pfefferminze (nur im Sommer!) wirkt kühlend und entspannt den Kopf sowie das
Nervensystem.

Eine wichtige Zutat, vor allem im Winter, ist der Ingwer. Er regt das Verdauungsfeuer an, hemmt die Anreicherung von Schlacken im Körper. Diese Schlacken sind oft der Auslöser von rheumatischen Erkrankungen aber auch von Gicht und zu hohem Cholesterin. Außerdem wird der Appetit angeregt und der Darm gestärkt. Husten und Asthma lindert Ingwer ebenfalls.

Kardamom sorgt für frischen Atem, kräftigt das Herz und die Milz. Auch wird ihm eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt.

Bei Entzündungen von Magen, Darm und der Harnwege hilft Koriander.

Das Grundgewürz in der ayurvedischen Ernährung ist Kurkuma oder auch Gelbwurz genannt. Kurkuma spendet Energie, reinigt den Körper und hilft Leber und Bauchspeicheldrüse bei ihrer Arbeit. Hilfreich ist dieses Gewürz auch bei Erkältungen und schwachem Blutdruck.

Bockshornkleesamen ist ein Tonikum bei allen Schwächezuständen, bei angegriffenen Nerven und bei Stress, stärkt die Leber und lindert Fieber und Erbrechen, auch in der Schwangerschaft. Ebenfalls eine positive Wirkung auf Nerven und Geist hat geriebene Muskatnuss.

Kreislauf anregend und wärmend ist Zimt, in der Weihnachtszeit ein sehr beliebtes Gewürz. Zu beachten ist, dass der beste Zimt immer aus Sri Lanka kommt.

Das kostbarste aber damit auch teure Gewürz ist der Safran. Er verleiht kreative Lebensenergie und Sexualkraft.

Die Verarbeitung dieser Gewürze richtet sich nach ihrer Darreichungsform. Geriebene oder gemahlene Zutaten werden direkt an die Speisen gegeben, ganze Samen röstet man am Besten in wenigem, nicht zu heißem Fett kurz an und verwendet dann das Fett da harte Körner eher störend in einer Mahlzeit sind. Auch als Tee können diese Gewürze Anwendung finden.

In der ayurvedischen Ernährungslehre hat auch Wasser eine besondere Bedeutung.

Um z. B. Schlacken in unserem Körper abzubauen ist eine Heißwasser-Trinkkur zu empfehlen. Wasser 10 Minuten kochen, 2-3 min ruhen lassen damit sich die Schwebeteilchen absetzen und anschließend in eine Thermoskanne mit Glaseinsatz abfüllen. Über den Tag verteilt wird es dann getrunken. Das gilt auch im Sommer. Das heiße Wasser beruhigt den Magen und Psyche, hilft bei Darmstörungen und verfeinert die Geschmackssinne.